Umbau BR 95 PIKO auf Epoche II


Vorbild
Anfang der 20er Jahre benötigte man für den schweren Schiebedienst auf den Hauptbahnrampen in Nordbayern und Thüringen leistungsfähigere Lokomotiven. Aus den guten Erfahrungen mit den Loks der Tierklasse der Halberstadt-Blankenburger. Eisenbahn entstanden bei den Borsig-Werken im Jahr 1922 die ersten 10 der damals noch als Baureihe 77 bezeichneten Maschinen. Weitere folgten in den Jahren 1923 und 1924 von Borsig und von Hanomag, somit sind von der Baureihe 95. insgesamt 45 Lokomotiven in Dienst gestellt worden.
Die hohe Lage des Kessels verlieh der Lok von vornherein ein kraftvolles, wuchtiges Aussehen. Die Kesselaufbauten mußten wegen der geltenden Fahrzeugbegrenzung gedrungen ausfallen.
In der Ursprungsausführung besaß die Maschine eine Kolben-Speisewasserpumpe Bauart Knorr
und wegen dem hohen Druckluftbedarf zwei Luftpumpen.
Bei der Deutschen Reichsbahn waren die Loks der Baureihe 95 bis Anfang der 80er Jahre im Einsatz. Der Nachwelt sind die 95 009, 016 ,020, 027 und 028 erhalten geblieben, leider keine mehr im betriebsfähigen Zustand.

Modell
Hier hat man die Wahl zwischen dem nicht mehr produzierten Modell von Liliput und der in verschiedenen Varianten lieferbaren 95 von Piko aus dem thüringischen Sonneberg.
In meinem Umbauvorschlag möchte ich beschreiben, wie man aus einem Piko-Modell der ersten Serie eine in der Detaillierung hervorstechende Lok in der Epoche II anfertigen kann. Meine Wahl fiel auf die damals im Bw Suhl stationierte 95 016.
Die Basis aller aktuellen Modelle von Piko bildet die Vorbildversion nach dem Umbau auf Ölhauptfeuerung. Auch die Epoche II Variante wurde davon abgeleitet. Dadurch mußten bei der Gestaltung der Kesselarmaturen einige Kompromisse eingegangen werden.

Demontage
Allen Arbeiten geht die Zerlegung der Lok voraus. Nach Abnehmen des Kohle bzw. Ölbehälters wird die hintere Befestigung am Fahrgestell zugänglich. Durch Zusammendrücken der Arretierung mit einer Flachzange wird das Gehäuse hinten angehoben und dann vorne am Vorläufer ausgeklinkt.

Motorumbau
Beim Antrieb gibt es drei Varianten: den alten, laut und unruhig laufenden Motor; die aktuelle überarbeitete Version mit neuem, schwungmassegezähmten Motor und sehr guten Fahreigenschaften, sowie die von mir gewählte Variante Umbau des alten Fahrwerks auf Faulhaber-Antrieb. Die zum Einbau des Motors nötigen Fräsarbeiten lassen sich durch den Kunststoffrahmen.. leicht mit einer Kleinbohrmaschine bewerkstelligen.
Die Maße werden mit wasserfestem Stift von der Zeichnung auf den Rahmen übertragen.
Vor dem Festschrauben sollten die Gewinde des Motors vorgeschnitten werden. Die Länge der mitgelieferten Schrauben ist zu prüfen, um eine Beschädigung des Motors auszuschließen.
Die Späne lassen sich am Besten durch ausblasen mit Druckluft entfernen
Beim Anschließen ist auf richtige Polung zu achten.
Die Einbaulage des Faulhabermotors läßt leider keinen freien Führerhausdurchblick zu. Deshalb sollte der Motor und der rote Kunststoff des Rahmens in diesem Bereich schwarz gestrichen werden. Eine Möglichkeit wäre das komplette Entfernen des oberen Rahmenteils sowie der Einbau einer Platte zur Stabilisierung unter dem Motor. Diese Variante wurde von mir allerdings noch nicht in der Praxis erprobt.
Die Fahreigenschaften sind erwartungsgemäß ausgezeichnet. Der Motorumbau ist eine lohnenswerte Sache für die Modelle aus. der ersten Serie. Der neue Antrieb der aktuellen Piko- Modelle kann sich aber im Preis/ Leistungsvergleich zum Faulhaber-Motor durchaus behaupten.

Gehäuse
Für die verschiedenen Varianten einer Lok hat Piko eine gemeinsame Basis verwendet. Bei der
BR 95 ist es die Ausführung nach dem Umbau auf Ölhauptfeuerung im RAW Meiningen
in den 70er Jahren.
Dadurch entsprechen die Leitungsführung, die Ausführung der Pumpen und Ventile nicht der Ursprungsausführung der Vorkriegszeit. Das gleiche gilt für die Maschinen der Bundesbahn in der Nachkriegszeit. Durch die frühzeitige Ausmusterung kam es hier zu keinen größeren Umbauten.
Sämtliche am Kessel angesetzte Leitungen und Armaturen sowie die Griffstangen werden abgenommen. Das Führerhaus wird vorsichtig abgehebelt und der Fenstereinsatz entfernt.
Die angespritzten Leitungen schabt man mit einem Skalpell ab und glättet die entstanden Unebenheiten mit feinstem.. Schleifpapier. Es hat sich dabei bewährt, kleine Stücke davon abzuschneiden und mit einer Flachzange festzuhalten.
Vorhandene Löcher von angesteckten Teilen und Griffstangen sind mit Spachtelmasse zu verschließen.
Die Lüftungsöffnung im Führerhausdach wird von außen mit Tesafilm zugeklebt und von innen mit Zweikomponentenkleber verfüllt. Nach Abziehen des Klebestreifens hat man ein optimal glatt verschlossenes Dach. Der Steg an der Führerhausseitenwand wird abgeschabt.
Die Kiste auf dem rechten Wasserkasten fällt ebenfalls Säge und Skalpell zum Opfer. Ein weiteres Problem sind die Nieten an den Wasserkästen, die an der Piko-Lok nicht vorhanden sind. Zu meinem Trost und zur Beruhigung der Nietenzähler fallen diese an den Maschinen von Borsig auch kaum auf, wie man auf mehreren Fotos sehen kann.
Die Ventilstellstange an der rechten Kesselseite schabt man unter Erhalt der Sandfallrohre ab. Eine mühselige Arbeit, aber es gibt leider bis jetzt keinen Hersteller für einen entsprechenden Sandkasten mit 10 Abgabestellen an jeder Seite. An der linken Seite habe ich die 3 Stellstangen ab den Sandfallrohren nach vorne durch 0,4 mm Draht ersetzt.
Die Rauchkammertür tauscht man gegen die Ursprungsausführung mit 5 Vorreibern. Handrad und Griffe sind Messingteile. Die beiden Griffstangen seitlich der Pumpen können nicht an den Zylindern befestigt werden, konstruktiv bedingt durch das seitliche Ausschwenken.
Beim Kohlekasten gibt es die flache, mit Klappen verschlossene Ursprungsausführung sowie die Version mit Trichteraufsatz. Ich habe mich für die Ausführung der dreißiger Jahre entschieden und wähle den Trichter ohne Aufsatzbretter. Der Ölbehälter läßt sich zur flachen Variante mit Abdeckklappe modifizieren.
An der Tenderrückwand finden der Gasbehälter und neue Aufstiegsleitern ihren Platz
Neue Lampen aus Messingfeinguß prägen entscheidend die Rück- und Frontansicht der Lok.
Einer weiteren Nacharbeit werden die Aufstiegstritte zum Führerhaus unterzogen. Man entfernt die Seitenstege und feilt die Rückseite dünner. Griffstangen aus Draht an den Seiten ansetzen.
Für sämtliche neuen Griffstangenhalter, Pumpen und Armaturen bohrt man jetzt die Löcher und befestigt die Teile mit Sekundenkleber. Die Position mit Originalfotos vergleichen.
Unter der Pufferbohle sollten die Griffe für den Preiser-Rangierer nicht vergessen werden. Die Originalkupplung sollte steckbar sein, um für den Fahrbetrieb Kurzkupplungsköpfe zu verwenden.


Räder
Im Vergleich zu anderen Herstellern lassen sich die Radsätze leicht aus dem Rahmen entnehmen.
Wenn die vorhandenen Räder beibehalten werden, empfiehlt es sich, die stark auffallenden Achsen und Messingbuchsen zu verspachteln und neu zu lackieren.
Modelle aus der ersten Serie sollten brünierte Räder erhalten.
Bei meinem Umbau habe ich allerdings RP 25 Räder aus Teichmann-Rohlingen verwendet. Der Einsatz der Kunststoff-Kuppelstangen erfordert dann aber umfangreichere Anpassarbeiten. Auch die Proportionen passen nicht so ganz zu den feinen Rädern. Nach langen Überlegungen entstanden daraufhin neue Kuppelstangen als Neusilberätzteil.


Lackierung
Nach Entfettung mit Prilwasser und gründlicher Trocknung erfolgt die Grundierung und Lackierung mit Weinert-Farben. Falls der erste Versuch mißlingt, sollten Kunststoffgehäuse nur mit Auto-Bremsflüssigkeit gereinigt werden. Alle Sorten Verdünnung richten Schaden an!


Beschriftung
Lokschilder aus Messing gibt es von mehreren Herstellern. Hier wurden Sonderanfertigungen der Firma Ostmodell verwendet. Eine preiswerte Selbstfertigung per Computer ist allerdings auch möglich.

Fazit
Es ist in nächster Zeit nicht zu erwarten, daß ein Großserienhersteller ein verbessertes Modell der Baureihe 95 auf den Markt bringen wird. Somit bringt ein Umbau der in vielen Exemplaren vorhandenen Piko-Lok ein sehenswertes Modell zu Tage.

Bauteile

 

Weinert 8365 Läutewerk
9015 Lampen
8273 Schlußscheibenhalter
8262 Dachhaken
8054 Handrad
8405 Luftpumpe
8207 Kesselarmaturen
8460 Griffstangenhalter
8600 Federpuffer
8415 Speisepumpe
8650 Oiginalkupplung

 

Günther Ventile aus 1350 - 5 St.
1176 Gaskessel

1278 Tenderleiter
1445 Waschluken
Messingdraht 0,3/ 0,4/ 0,5/ 0,8
Piko Rauchkammertür Ep.II
Kohleaufsatz

SB-Modellbau Faulhaber-BS

Teichmann Radsätze RP 25